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Osmanisches Reich

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„Einer der kultiviertesten, zudem einflußreichsten us-amerikanischen Diplomaten des Jahrhunderts, George Kennan, hat den Ersten - nicht den Zweiten - Weltkrieg als die Urkatastrophe des Kleinasien (Anatolien) stand bis ins Jahrhundert unter der Vorherrschaft des Byzantinischen Reichs. Nach der Schlacht bei Manzikert hatten die turkstämmigen Rum-Seldschuken ein eigenes Sultanat in Zentralanatolien gegründet.

Zwischen Jura, Vogesen und Schwarzwald

Wer auf eine Realität pocht, und sei es eine nur unterschwellige, muss sich rechtfertigen. Rund Jahre Geschichte überblicken wir einigermassen, wenn auch mit Lücken. Und naturgemäss sind diese am Anfang die grössten.

Sich eine Vorstellung vom oberrheinischen Gebiet zur Zeit der Kelten, Römer, Alemannen, Franken bis zu den merowingischen und karolingischen Herrschern zu machen, ist mühsam. Schriftliche Zeugnisse für diese acht Jahrhunderte sind selten, manchmal fehlen sie ganz. Wo aber Geschriebenes fehlt, betreten die Archäologen die Bühne.

Nach dieser jüngsten Forschungsübersicht kann von einer gewissen Einheit des Gebietes, das wir heute als die oberrheinische Regio betrachten und als deren Bewohner antike Schriftsteller die Rauracher oder Rauriker nennen, durchaus die Rede sein.

Es ist ein Volk oder vielleicht nur ein Stamm, der als Nachbarvölker die Sequaner und die Helvetier kennt. Da taucht so etwas wie ein Dreiland erstmals auf. Seine Ausdehnung ergibt sich nach den Fundstellen. Die nördlichsten liegen im badischen Kreis Emmendingen sowie im Elsass bei Wettolsheim, die südlichsten bei Balsthal und Courroux im Kanton Jura, die östlichsten bei Kirchzarten und bei Erlinsbach, Kanton Aargau, sowie bei Oltingen, die westlichsten bei Dannemarie und Friesen im Sundgau.

Das Gebiet hat also eine Länge von rund Kilometern in südlicher Richtung, eine Breite von um die 50 Kilometer in ost-westlicher Richtung. In den Worten der Archäologen: Es ist eine geschlossene Siedlungszone, es ist die archäologisch greifbare Regio vor rund Jahren.

Jean-Daniel Schoepflin, der im Jahrhundert in der Nachfolge des Beatus Rhenanus den Beginn der Geschichte am Oberrhein nachzeichnen wollte, wäre begeistert gewesen. Bei den jetzt festliegenden Fundstellen handelt es sich um Siedlungen und mögliche Siedlungen, um Befestigungen, Münzen und ganze Münzdepots, um Gräber und Gräberfelder.

Ihre Erfassung auf einer Karte zeigt die Schwerpunkte im ganzen Siedlungsraum: Die heutigen Agglomerationen sind schon vorgezeichnet. Vorgezeichnet sind auch die Wege, vor allem im Elsass, nämlich die drei parallel laufenden Nord-Südrouten von Basel aus dem Rhein entlang, seitlich zur Ill und am Fuss der Vogesen.

Die hier angesiedelten Kelten kannten die Eisengewinnung und —verarbeitung. Sie hatten ihre eigenen keramische Technik, bauten mächtige Brennöfen. Handel trieben sie mit Italien, von wo Amphoren mit Wein importiert wurden, aber auch italienische Gläser oder Bronzegeschirr.

Sie kannten bereits die Geldwirtschaft, ihre Münzen, die italische Vorbilder nachahmten, zirkulierten auch über die Stammesgrenzen hinaus. Sie waren Meister in der Verarbeitung von Steinen, etwa für Mühlen, mit denen sie Handel trieben; ihre Toten bestatteten sie in der Erde. Waren sie auch politisch ein einheitliches Volk? In unserem Fall scheint vor allem das zusammenhängende Siedlungsgebiet für eine ethnisch einheitliche Bevölkerung zu sprechen.

Basel, wenn man wieder auf die Karte blickt, sitzt ziemlich genau im Zentrum des ganzen Gebietes. Die auf dem Areal der früheren Sandoz ausgegrabenen Funde könnten auf die grösste Siedlung im ganzen Raum von rund 12 Hektaren Grösse verweisen, aber auch der Münsterhügel war schon von Raurikern bewohnt.

Wie verschieden die Geschichte dem Dreiland zwischen Jura, Vogesen und Schwarzwald in den folgenden Jahren auch immer mitgespielt hat — an diesem historisch-archäologisch greifbaren Anfang war sie eine Einheit links und rechts oberhalb des Rheins. Sie darf sich daran immer wieder erinnern. Mit den Galliern, französisch den Gaulois, sind die keltischen Stämme des heutigen Frankreichs gemeint.

Im ersten Buch, Kapitel 31, tritt ein germanischer König namens Ariovist auf, der sich im Gebiet der Sequaner, dem fruchtbarsten in ganz Gallien, eingenistet hat. Caesar gibt wieder, was ein Sprecher der Gallier sagt:. Er sei ein jähzorniger und unberechenbarer Barbar, sie könnten die Art seiner Herrschaft nicht länger ertragen. Caesars Bericht, wohl der frühste über den Oberrhein, setzt uns Jahre später in einige Verlegenheit im Hinblick auf die Geografie und die politischen Nachrichten.

Wo liegt Magetobriga — ein Dorf, ein Fluchtort, eine Stadt? Wo hat der Germanenkönig Ariovist die linksrheinischen Kelten so geschlagen, dass er sich in der Folge als eine Art Schutzkönig in ihrem Gebiet niederlassen und sie sich tributpflichtig machen konnte? Dann haben wir Mühe mit den zahlreichen Stammesnamen, die Caesar aufzählt.

Bekannt sind die Helvetier, die im schweizerischen Mittelland sassen, die Rauriker, die sich als ihre Vettern südwestlich der Basler Rheinkrümmung angesiedelt hatten. Eigentliche Grenzen in unserem Sinn sind zwischen diesen Völkern schwer auszumachen, es handelt sich um ineinander verzahnte Stammesgebiete.

Verkehrt wäre auch die Annahme, dass es sich da um friedlich sesshafte Urbevölkerungen gehandelt hätte. Sogar die Helvetier, die Caesar nach der Schlacht von Bibracte an der Auswanderung Richtung Atlantikküste hinderte und zur Rückkehr ins Mittelland zwang, waren dort erst seit relativ kurzer Zeit, vielleicht um die Jahre, angesiedelt gewesen, möglicherweise hatten sie die früheren Allobroger vertrieben.

Aber nun Ariovist, der selbstherrliche und grausame Germanenkönig, der nach Caesar von den Sequanern gegen die Haeduer zur Hilfe gerufen worden war und es sich im oberen Elsass wohl sein liess. Er war seinerseits von den aus Osten nachstossenden Germanenstämmen bedrängt, von denen er auf Kosten der Sequaner die befreundeten Haruden ansiedeln wollte. In dieser Not wandten sich die Gallier an Caesar, der als Befehlshaber des heute sündfranzösischen Galliens ein Interesse daran haben musste, dass der germanische Druck nicht ständig neue Stämme gegen seine Provinz anbranden liess.

Darum hatte er ja auch den Auszug der Helvetier verhindert. In Eilmärschen führte er seine Truppen heran, um nicht nur seine Provinz, sondern auch die befreundeten Haeduer vor Ariovist zu schützen. Caesar schickt eine Gesandtschaft zu Ariovist. Sie erhält die hochmütige Antwort: Wenn Caesar etwas von Ariovist wolle, solle er sich gefälligst zu ihm begeben. Und überhaupt — was habe Caesar in Gallien verloren? Die Forderungen Caesars lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Ariovist zieht sofort nach: Er sei Sieger, auch über die Haeduer; die Römer könnten, wenn sie wollten, ruhig angreifen.

Caesar kommt ihm zuvor, indem er die Besatzung von Vesontio verstärkt. Seine Truppen geraten freilich in ein moralisches Tief — diese Germanen sind furchterregend und schrecklich! Caesar veranstaltet einen Offiziersrapport, setzt zu einer grossen Rede an, in der er darlegt, dass die Helvetier militärisch diesen Germanen überlegen gewesen seien, jetzt aber hätten sie, die Römer, soeben die Helvetier besiegt.

Er werde auf jeden Fall mit der Legion gegen Ariovist marschieren. Da Ariovist eine Begegnung zu Pferd verlangt, Caesar aber den gallischen Hilfsreitern misstraut, lässt er die Soldaten der Legion die gallischen Pferde besteigen. Vom Pferd herab unterreden sich der germanische König und der römische General. In welcher Sprache, ist nicht gesagt. Kann Ariovist, der offiziell den Titel eines Freundes des römischen Volkes führt, lateinisch?

Oder kann Caesar, dessen Privatlehrer ein hochgebildeter Kelte gewesen war, auch keltisch? Die Unterredung führt zu keinem Ergebnis. Ariovist versteift sich darauf, dass er von den Sequanern gerufen über den Rhein gekommen sei. Er befindet sich übrigens schon länger in Gallien als die Römer.

Derweilen kommt es zwischen den Reitern Ariovists und den berittenen Legionären zu ersten Streitereien. Es wird klar, die Sache muss militärisch entschieden werden.

Der Ort, an dem Caesar im Jahr 58 vor Christus Ariovist so besiegte, dass e sich schleunigst über den Rhein retten musste, ist mit Sicherheit nicht auszumachen. Das nördlich von Mülhausen gelegene Ochsenfeld könnte bei fünf Meilen in Frage kommen, bei 50 Meilen müsste man das Schlachtfeld eher in Richtung zur burgundischen Pforte suchen.

Archäologisch konnte es bis heute nicht nachgewiesen werden. Die für die Legionen siegreiche Schlacht — von Caesar selber in allen Einzelheiten geschildert — darf aber nicht nur als eine Konfrontation von Römern und Germanen gesehen werden. Sie war ebenso eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen keltischen Stämmen, teils mit Rom verbündet, teils mit germanischen Fürsten befreundet.

Die Helvetier zur Rückkehr gezwungen, Ariovist geschlagen — das Jahr 58 vor Christus war für die römische Präsenz in Gallien eher strapaziös gewesen. Im Jahr , am Grosses Fest im elsässischen Eguisheim. Hohes Mittelalter nennen wir diese Zeit. Sie führt die abendländische Welt in den Grenzen, die Jahre zuvor Karl der Grosse entworfen hatte, zu ganz verschiedenen Höhepunkten.

In der Architektur löst die Romanik die ottonische Bauweise ab — nachvollziehbar, wenn man heute von St. Cyriak in Sulzburg ottonisch auf die andere Rheinseite zur Klosterkirche von Murbach romanisch wechselt. Damit stellt sich zugleich die Frage, in welchem Verhältnis die bestimmenden Männer der Zeit, der von den deutschen Herzögen gewählte König und Kaiser und der vom römischen Adel gewählte Papst, zueinander stehen. Das führt zum sogenannten Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst, bei dem es um die Ernennung und Bestätigung der Bischöfe und Erzbischöfe geht.

Der Kirche wachsen durch die von Cluny im Burgund ausgehenden Reformbestrebungen neue Kräfte zu; unter dem cluniazensischen Grossabt Hugo bildet sich durch ganz Europa ein Verband von rund Abteien und Prioraten, die den Führungsanspruch von Cluny anerkennen.

Das heisst, dass der jetzt deutsch-römische Kaiser zwei der drei Nachfolgestaaten Karls des Grossen an sich zu ziehen versucht. Der französische König ist weit weg; der ihm noch lange nicht ergebene normannische Adel blickt einesteils Richtung England und gründet andernteils in Italien eine weitere Herrschaft in Apulien, die sich bis nach Kalabrien, Sizilien, Benevent und Neapel erweitert, also auch bisher oströmisches und sarazenisches Gebiet an sich zieht.

Die Lebensdaten Leos IX. Aber nun zu seiner Person, über die wir ungewöhnlich gut dokumentiert sind, weil Wibert, ein Archidiakon von Toul und offenbar ein Lebensgefährte Leos, dessen Geschichte auf lateinisch ausgiebig beschrieben hat.

Er war fürstlichen Geblüts, sein Vater Hugo führte den Titel eines Grafen des Nordgaus, also des unteren Elsasses, und stammte von Adalrich ab, den Childerich, König von Austrasien, um zum elsässischen Herzog eingesetzt hatte.

Er hatte insgesamt acht Kinder, das dritte wurde auf den Namen Bruno getauft. In den Ferien daheim soll er einmal im Schlaf von einem Tier — Wibert sagt: Bruno lebte in Toul in der kanonischen Gemeinschaft des Bischofs, wurde aber nicht Mönch. Wie sein Onkel Konrad zum deutschen König gewählt wurde, bekam er die Stelle eines königlichen Kaplans, und als 23jähriger zog er erstmals mit dem König nach Italien, um das rebellische Mailand zu unterwerfen.

Dort erreichte ihn der Ruf, Nachfolger des verstorbenen Bischofs von Toul zu werden. Der noch nicht 35jährige königliche Onkel liess ihn ungern gehen. Als Bischof von Toul sehen wir Bruno nach mit der Kirchenreform beschäftigt, die — und hier wird der Einfluss von Cluny sichtbar — zuerst eine Reform der Klöster war.

Kirchenarbeit war immer auch Politik; Lothringen stellte für das Reich das westlichste Herzogtum dar, zugleich die Brücke zum französischen Königreich; südlich vom Elsass lag das von Frankreich unabhängige Königreich Burgund, das gerade jetzt, unter den fränkischen Kaisern, wieder an das Reich gezogen wurde.

Der Bischof von Toul erwies sich dabei als treuer Gefolgsmann des Kaisers. Papst wird der elsässische Grafensohn dank seines allseits anerkannten verbindlichen Charakters, auf Grund seiner erfolgreichen Reformarbeit im Bistum, wegen seiner auf mehreren Pilgerfahrten erworbenen Italienkenntnis, nicht zuletzt auch auf Wunsch des ihm verwandten Kaisers Heinrich III.

Seine Kandidatur für den römischen Stuhl wird auf dem Reichstag in Worms aufgestellt. Er will aber nicht Papst werden, wenn ihn nicht auch das Volk und der Adel von Rom wählen.

Das geschieht am 2. Seine päpstliche Herrschaft beendet ein unwürdiges Zwischenspiel rivalisierender Vorgänger; er gilt als der bedeutendste deutsche Reformpapst, und zu seinem Gefolge zählt schon in Worms der aus Italien stammende Mönch Hildebrand, der als Gregor VII. Leo stellt sich gegen den weit verbreiteten Ämterkauf, die sogenannte Simonie, bekämpft die zu seiner Zeit häufigen Priesterehen.

Politisch gerät er in einen schwerwiegenden Konflikt mit der normannischen Herrschaft in Apulien, wo sich ein Kräftevieleck zwischen dem kaiserlichen Heer, oströmischen Herrschaften, den Sarazenen und den Normannen ergibt, welche letztere als Gegner Leos ihn in Benevent belagern und ihn dann handkehrum als Gefolgsleute nach Rom kurz vor seinem Tod zurückbegleiten. Die Mission seiner Delegierten nach Konstantinopel endet unglücklich, wird das Schisma zwischen der west- und oströmischen Kirche endgültig.

Was mussten das, auf Pferderücken, für beschwerliche Expeditionen gewesen sein! Was uns vom Wesen Leos überliefert ist, zeigt — nach Abzug der mittelalterlichen Verherrlichung — ein so entschiedenes wie sanftes Gemüt, einen von Mitleid bewegten, zugleich visionären Menschen, der viel von seinen eigenen Träumen redete.

Er war sprachgewandt, beherrschte lateinisch, deutsch, französisch, italienisch, als Papst wollte er sich noch das Griechische aneignen. Er starb bei vollem Bewusstsein, unter Gesprächen mit seinen Vertrauten und langen Gebeten. Er war in seinem Herzen ein Elsässer geblieben. Hier für einmal so etwas wie ein Rätsel oder eine Quizfrage: Das war reich, berühmt, mächtig. Verschiedene Kaiser und Könige waren ihm gewogen, beschenkten es, aber suchten auch seinen Rat.

Die Territorien, die es als Eigenbesitz oder Lehen verwaltete, waren bald grösser, bald kleiner — über Jahre bleiben Herrschaftsgebiete selten konstant. Die Herren dieses Fürstentums verwalteten Besitztümer im heutigen Elsass und Sundgau, aber auch rechts vom Rhein und hatten im schweizerischen Luzern ein gewichtiges Wort mitzureden.

Ihr Lebensstil war wahrhaft fürstlich, gegen Ende ihrer Herrschaft eher etwas dekadent. Ruhm erwarben sie sich in geistigen Dingen, der grosse Gelehrte Alkuin aus der Zeit Karls des Grossen wollte sich dort in seinen alten Tagen zurückziehen.

In der Mitte des 9. Jahrhundert suchte Jean-Daniel Schoepflin, der Verfasser der grossen, lateinisch geschriebenen Geschichte des Elsasses und ein Lehrer Goethes, die fürstlichen Archive auf, um seine Quellenstudien zu treiben.

Wo lag es denn? Weniger als eine Stunde im Auto von Freiburg oder Basel entfernt. Ein paar unregelmässige alte Häuser, eine torähnliche Einfahrt — plötzlich stehen Sie zwei mächtigen romanischen Kirchentürmen von über 43 m Höhe mit stumpfen Dächern aus grau-rotem Sandstein gegenüber. Es ist die Stiftskirche von Murbach. Das Vierungsquadrat, also der zwischen den Türmen verbleibende Raum, ist so gross, dass er noch immer eine stattliche Kirche beherbergen kann.

Doch wo ist das Langhaus? Es fehlt, nur das hinter der Kirche liegende Friedhofareal deutet noch an, wie gross es gewesen sein muss. Sie erhielt vom König die Immunität, das heisst dessen Verwaltungsbeamten hatten auf dem Territorium der Abtei nichts mehr zu suchen. Sie wurden auch von der Aufsicht des Strassburger Bischofs befreit, die Mönche konnten ihren Abt selber wählen. Die benediktinische Regel räumte der landwirtschaftlichen Arbeit eine grosse Bedeutung ein; man darf sich vorstellen, wie die Angehörigen von Murbach die dicht bewaldeten Vogesentäler rodeten und kultivierten.

Die Rebe war aus römischen Zeiten schon angesiedelt. Die Abtei wurde von ihrem Gründer reich beschenkt, im Oberelsass so gut wie im unteren Elsass, im Sundgau, aber auch in der Delsberger Gegend. Die Kirche war dem heiligen Leodegar St. Es wurde vom 9. Jahrhundert ein Hort der Gelehrsamkeit. Jahrhundert sind althochdeutsche Übersetzungen lateinischer Hymnen bekannt, die Manuskripte liegen heute in Oxford. Alkuin, so etwas wie der aus England stammende Kulturminister Karls des Grossen, schätzte und besuchte Murbach.

Jahrhundert wurde es, wie Basel, von den Ungarn verwüstet, aber auferstand nachher, im Zug der cluniazensischen Reform, in grösserer Pracht. Aus den benediktinischen Mönchen wurden zunehmend adlige Stiftsherren.

Territorial hatte sich die ursprüngliche Schenkung gewaltig erweitert, das benachbarte Tal von Saint-Amarin, die Herrschaft Delle, rechtsrheinische Besitztümer waren dazugekommen. Es waren die Herren von Murbach, die Luzern das Stadtrecht verschafften. Und unter dem Staufenkaiser Friedrich II. So sehr damit die weltliche Macht der Fürstabtei Murbach stieg, die geistige Bedeutung ging zurück.

Philippe Legin, der dieses oberrheinische Fürstentum letztmals beschrieb, sieht schon zu Beginn des Jahrhunderts Anzeichen des Verfalls. Er hat politische Gründe: Er hat kriegerische Gründe: Er hat soziale Gründe: Er hat wirtschaftliche Gründe: Das Ende brachte formell die Französische Revolution, auf deutsches Reichsrecht zurückgehende Feudalherrschaften wurden in der Nach vom 4. Aber den Zerfall der eigentlichen Kirche und der Klostergebäude hatten die Stiftsherren schon früher und selber ins Werk gesetzt.

Das verlassene Waldtal war ihnen nämlich zu langweilig geworden, sie zogen hinab nach Guebwiller, das sie zum Städtlein ausbauten, aber auf keinen Fall demokratisch regiert wissen wollten. Somit zogen die Stiftsherren nach Guebwiller, kehrten aber nie mehr zurück, weil für den geplanten Umbau das Geld ausging.

Sie blieben im Städtlein. Der revolutionäre Zorn der Leute aus dem Lauchtal richtete sich schon nicht mehr gegen die verlassene Stiftskirche in Murbach, sondern es wurden die Häuser der Stiftsherren in der Stadt geplündert, die Weinkeller ausgetrunken.

Die letzten Stiftsherren versuchten wenigstens die Archive zu retten, ohne grossen Erfolg. Kärgliche Reste landeten im Departementsarchiv zu Colmar, der Grossteil wurde gestohlen, verschachert, unter der Hand verkauft. Eine Restauration aus dem letzten Drittel des Jahrhunderts hat die beiden Türme der Stiftskirche von Murbach einigermassen gerettet.

Sie stehen da als Zeugen einer tausendjährigen Geschichte, die seit Jahren ohne Fortsetzung ist. Alle Departemente, Kantone, Länder und Nationen in der Nachbarschaft von Murbach sind jüngeren Datums und haben wenig Chancen, jemals auf Jahre kontinuierlicher Geschichte zurückblicken zu können. Kaiser sind über sie geritten und gezogen, Könige und Heerführer, geistliche Herren und Flüchtlinge: Sie soll die erste und lange Zeit die einzige zwischen dem Bodensee und der Nordsee gewesen sein — ein Märchen.

Fridolin Leuzinger hat ein einer Artikelserie die Dinge historisch zurechtgerückt: Die Basler Rheinbrücke war, regierungsrätlichen Reden zum Trotz, weder die erste noch die einzige.

Ihr Erbauungsdatum kennen wir genau, es ist Aber jetzt wissen wir auch, dass schon ein Rechtsstreit zwischen einer Äbtissin von Säckingen und dem Schirmvogt von Laufenburg, einem habsburgischen Gefolgsmann, entbrannte, der sich um die dortige Brücke drehte.

Also muss sie ja wohl schon vor der Basler Brücke gestanden haben. Wir müssen Abschied nehmen von einer für Basel allzu schmeichelhaften Legende, aber das soll uns nicht hindern, noch einmal die Brücken sowohl in Basel wie oberhalb und unterhalb der Stadt ins Auge zu fassen. Versuchen wir, so etwas wie eine Brückentheorie aufzustellen. Wovon gehen wir aus?

Am besten wohl von einer These. Jede Brücke in und um Basel entspringt einer exakten historischen, also auch ökonomischen, sozialen, militärischen und verkehrstechnischen Entwicklungsstufe, die man im geschichtlichen Zusammenhang begreifen sollte. Was macht ein Mensch, der an einen Fluss kommt? Er versucht auf die andere Seite zu gelangen. Das kann schwimmend oder auf einem Floss geschehen. Und wenn er Vieh mit sich führt? Schon eine Kuh in einen Weidling zu stellen, ist nicht gerade ein glückliches Unternehmen.

Dann sucht er eben nach Furten, das heisst nach Stellen von niedriger Wasserführung, über die man zwar mit nassen Füssen, aber doch auf eigenen Beinen schreiten kann. Nun darf man sich viele Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende zurück, den Rhein nicht wie heute vorstellen. Er war ungebärdiger, gelegentlich bei Niedrigwasser auch sanfter. Es gab noch keine Kanäle und Staustufen. Ein trockener Spätsommer konnte den Rhein so absinken lassen, dass man ihn tatsächlich durchwaten konnte. Man kennt die entsprechenden Stellen, sie liegen bei Wallbach, Rheinfelden und Kleinhüningen, wo der Rhein nach der Enge bei Basel plötzlich breit und von Inseln durchsetzt zu werden begann.

Da müssen unsere keltischen Urahnen samt ihren Tieren durchgewatet sein. Die frühere Keltensiedlung am unteren Rand des heutigen Basel bei der ehemaligen Sandoz könnte etwas damit zu tun haben.

Auf jeden Fall war dort der Rhein weniger tief und reissend. Er liess sich einfacher mit Fahrzeugen überqueren als in Basel selber. Flüsse waren schon früher Transportwege. Und an diesem Punkt, eben knapp unterhalb des heutigen Basel, war die Landverbindung zwischen dem Doubs und dem Rhein die kürzeste.

Also war das ein idealer Platz für handeltreibende Leute. Dann kamen die Römer. Sicher bestand zu römischen Zeiten bei Kaiseraugst eine Brücke oder eine als Brücke dienende Anlage über den Rhein, das bestätigen Überreste einer rechtsrheinischen Anlage.

Als der römische Grenzwall, der limes, weit nach Norden Richtung Augsburg verlegt wurde, spielte der Rheinübergang bei Kaiseraugst militärisch eine wichtige Rolle. Der Rhein in der Basler Gegend biegt sich ab wie ein Knie. Die heutige Stadt kann man als einen viergeteilten Kuchen sehen: Jahrhundert tauchen rechtsrheinisch die Alemannen auf, auf der linken Seite bleiben die romanisierten Kelten, die Gallorömer. Oder wie der frühere Kantonsarchäologe Rudolf Moosbrugger sagt: Der Rhein war zum Röstigraben geworden.

Von Brücken vernehmen wir nichts. Jahrhundert entsteht eine neue Situation. Das Elsass ist habsburgisches Stammland, das sich um die auch weltlichen Herrschaften der Bischöfe von Strassburg und Basel in Richtung auf die heutige Schweiz und den Rhein aufwärts erweitern will. Verschiedene klösterliche Herrschaften, aber auch die sich unter dem Bischof zünftisch organisierende Stadt, sehen sich eingeengt.

Die Brücke bei Rheinfelden wurde vermutlich schon gebaut, diesmal von den rechtsrheinischen Konkurrenten der Habsburger, den Zähringern. Für Säckingen darf man ebenfalls eine alte Brücke für die Jahre um annehmen. Er konnte sie nicht allein finanzieren, die weiteren Geldgeber waren der Abt von St.

Blasien und der Prior von Bürgeln. Auch das hat seine politische Logik. Verkehr und Handel sollten nicht in das zähringische oder habsburgische Gebiet abwandern. Und was nicht weniger wichtig ist: Erst mit dieser Brücke wurde die systematische Besiedlung des Kleinbasel möglich. Es wurde eigentlich wie Manhattan angelegt — drei Parallelstrassen zum Rhein und senkrecht dazu die verbindenden Gassen. Da Basel seit dieser Zeit bis ins Jahrhundert hinein die dominierende Stadt am Oberrhein war, wurde diese Vorgängerin der heutigen Mittleren Brücke bald einmal die wichtigste.

Über sie kamen und gingen die Fuhren ins Wiesental und nach Süddeutschland, auf ihr zogen die gekrönten Häupter Russlands, Österreichs und Preussen auf ihrem Feldzug gegen das napoleonische Frankreich in Basel ein.

Aber diese dem Handel dienende, die herrschaftliche Stellung Basels markierende und den süddeutsch-schweizerischen Verkehr aufnehmende Brücke hatte seit dem Ende des Von Hüningen aus wurde zuerst auf die sogenannte Schusterinsel und dann zeitweise bis auf das markgräfliche Ufer eine Brücke geschlagen, meistens eine schwimmende, gelegentlich wohl auch eine solide Holzkonstruktion. Ihr Zweck war militärischer Natur, gewiss diente sie auch zivilen Zwecken.

Für die Basler, die zwar einen Teil der Schusterinsel mit Kleinhüningen ihr eigen nannten, war sie doch eher exterritorial. Und man sah sie nicht gerne, weil von ihr aus ja der ganze Schiffsverkehr durch die Franzosen kontrolliert werden konnte. Sie bekam den Spottnamen einer Brille auf der Nase der Basler. Also lautet der Brückentheorie erster Teil: Keltische Furten, römische Militärbrücken, zähringisch-habsburgische Verbindungsbrücken, eine als politische Antwort gemeinte Basler Brücke, eine französischen Kriegszielen dienende Behelfsbrücke.

Jede einzelne hat ihre historische Logik. Seit den Studententagen hatten wir uns kaum mehr gesprochen, waren uns — selten genug — nur gelegentlich begegnet. Aber jetzt, als ich über den Basler Münsterplatz ging, stand er mit zurückgeworfenem Kopf vor der Münsterfassade und blickte steif in die Höhe. Was starrst du so? Ich treibe Botanik, sagte er, siehst du die grossen Rosen unterhalb der Brüstung?

Und was sind es für Rosen? Riesige, sagte ich, und gefüllte. Sicher keine einheimische Rose, sagte er, eher eine orientalische. Eine centifolia, also eine hundertblättrige. Ich habe 68 dieser Rosen gezählt, jede hat wohl einen halben Meter Durchmesser.

Man darf sich vorstellen, dass die aus dem vorderen Orient heimgekehrten Kreuzritter die Kunde, vielleicht sogar Exemplare, dieser Rose mit nach Hause brachten. Und jetzt zieren sie die Münsterfassade. Das Münster ist ja eigentlich eine Marienkirche, und Rosen sind der Maria zugeordnet. Das war der Anfang eines längeren Gespräches, bei dem ich nur der nehmende Teil war. In der Romanik Rundbogen, sagte der Lehrer wimmelt es neben verschlungenen Ornamenten von Tieren, Fabelwesen, typisierten Menschenfiguren.

Eindrücklich ist eine Fahrt ins elsässische Rosheim. In der Gotik Spitzbogen, sagte der Lehrer wandelt sich die Bildersprache: Du findest Efeu, Weissdorn, Haselnuss, Hahnenfuss oder Storchenschnabel, Eichenblätter, Erdbeeren und das Blatt der Zaunrübe samt ihren gewundenen Ranken und den kleinen, giftigen Beeren — übrigens häufig und irrtümlich als Weinblatt interpretiert.

Da siehst du die Hagrose und das Hundsröschen, wie sie noch heute in unseren Gärten blühen. Georg in Schlettstadt, die Marienkirchen von Freiburg und Basel sind überwältigende botanische Lektionen. Man kann sich sogar fragen, ob die gotische Kirche nicht als Ganzes eine letztlich botanische Erscheinungsform ist.

Was sitzt zuoberst auf einem gotischen Turm? Eine Kreuzblume, sagt der Fremdenführer. Aber was ist die Kreuzblume botanisch? Man muss nur einmal eine solche Kreuzblume, in der Fotografie von oben aufgenommen, näher betrachten.

Da sieht man eine vierblättrige Blüte mit ausgefransten Blütenblättern, den Fruchtknoten genau in der Mitte und nagelartig abstehenden Staubgefässen zwischen den Blütenblättern. Es ist die Raute, die in Italien und auf dem Balkan heimische Weinraute, ruta graveolens, deren Blätter sich eben in ein eigentliches Rautenwerk auflösen.

Und diese Pflanze heisst gelegentlich im Volksmund noch immer Kreuzblume. Aber es wird noch verwirrender:. An den gotischen Kirchen laufen den Kanten von Stützmauern oder Dächern entlang oft Leisten mit regelmässig verteilten Noppen, knospen- oder knollenartigen Widerhaken, man spricht dann von Krabben. Doch sie erinnern eigentlich wenig an Krebse.

Das italienische Wort grappa meint ja auch eine Klammer, die französische agrafe kommt von daher. Die noch nicht geöffnete Blüte der Weinraute hat genau diese Form. Also darf man sich die gotische Kathedrale insgesamt als eine riesige Weinraute vorstellen, auf der oben die Kreuzblume blüht, die ruta graveolens, übrigens eine stark duftende Pflanze, deren Staubgefässe die Nägel im Kreuz symbolisieren könnten.

Und die Kurven in den Fenstern und Deckengewölben der gotischen Kirche simulieren die Kurven, in denen die Weinraute ihre Stiele und Blätter entfaltet. Die botanische Symbolik dieser drei Kirchen in Basel Freiburg und Schlettstadt ist in ein dicht gewobenes Netz von Bezügen eingelassen. Warum Rebenblätter und Trauben?

Christus spricht vom Wein als von seinem Blut. Efeu trägt immergrüne Blätter, er ist konstant. Das Holz der Eiche fault nicht, überdauert die Zeiten. Die Kirche in Schlettstadt ist keine Marienkirche, also tritt die Rose als Schmuck zurück, ich habe nur eine gesehen, wahrscheinlich war es eher eine Pfingstrose.

Überhaupt treten Rosen und Pfingstrosen gerne abwechselnd auf; die Pfingstrose ist ja diejenige Rose, die den einzigen Nachteil der echten Rose nicht hat: Wer in einem homöopathischen Lehrbuch blättert, findet viele der im Kirchenschmuck nachgebildeten Pflanzen als Heilpflanzen wieder, dazu gehören die Weinraute selber, der Hopfen, der Efeu und die rätselhafte Zaunrübe, der man, obwohl sie selber giftig ist, entgiftende Wirkungen zuschreibt.

Somit hilft sie auch gegen böswillige Liebestränke, wird also zur Beschützerin der Jungfräulichkeit. Und was bedeuten Storchenschnabel, Hahnenfuss, Scharbockskraut und Haselwurz? Ich habe in Freiburg am Münster einen Lastesel mit Sack gefunden, der einen Acanthus, also eine Stachelähre oder einen Stachelbärenklau, frisst.

Der Acanthus ist der Schmuck der korinthischen Säulenköpfe im alten Griechenland. Jahrhundert, wo jetzt der Pflanzenschmuck des klassischen Altertums vom romanischen Esel gefressen wird, damit die botanische Welt der Gotik aufschiessen kann.

Wie wenig wissen wir über diese Dinge! Eine nicht gemachte Hausaufgabe? Aber ob sie schon als abgeschlossen gelten kann? Hans Wackernagel, botanisch so beschlagen wie zoologisch kompetent, den Baslern als langjähriger Sprecher des Zollis aus den Zeitungen und vom Lokalradio bekannt, lachte mit blinzelnden Augen.

Wenn man über so unvergleichliches Anschauungsmaterial in nächster Nähe verfügt — es lohnt sich schon, mit einem botanischen Auge von Basel nach Freiburg und Schlettstadt und in noch viele Elsässer und Breisgauer Städte zu fahren.

Alle Macht den Pflanzen — das war die oberrheinische Gotik. Erhard Richter in Grenzach ist einer der Historiker, die gern die kleinen und manchmal die kleinsten Verhältnisse genau unter die Lupe nehmen.

Die Geschichte grosser Nationen ist gewiss interessant, auch diejenige einer ganzen Region, wie wir sie am Oberrhein vorfinden, aber spannende wird sie besonders dann, wenn man an einer einzelnen Zelle das Schicksal des ganzen Organismus ablesen kann. Und so hat sich Erhard Richter über Grenzach gebeugt und erzählt dessen Geschichte, die diejenige einer Jahre alten Wiedervereinigung ist. Es ist wieder eine grenzüberschreitende Geschichte.

Aber nun nicht zwischen dem südbadischen Grenzach und dem schweizerischen Basel, vielmehr steigen wir in die Vergangenheit des noch nicht schweizerischen Bistums Basel und seiner nördlichen Nachbarn zurück. Da erinnern wir uns daran, dass ursprünglich in der Basler Gegend Kelten wohnten, die sogenannten Rauracher oder Rauriker. Dann kamen die römischen Legionen, die ausziehwilligen Helvetier und Rauracher wurden bei Bibrakte militärisch aufgehalten und mussten in ihre alten Gebiete zurückkehren.

Augst, eine römische Kolonie, verlor langsam an Bedeutung zu Gunsten von Basel. Sie sass auf der linken Rheinseite, denn auf der rechten Rheinseite erschienen um die Wende des 3. Man darf sich diese beiden Kulturen, die gallorömische und alemannische, nicht nur in einem feindlichen Gegensatz vorstellen.

Wir haben Zeugnisse, dass sie sich zum Teil sogar sehr gut arrangierten. Aber ein Gegensatz prägte sie: Hinzu kommen sogenannte gemischte Dialekte in den Gebieten, welche durch die Umsiedlung von Polen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Jahrhundert die Verwaltungs- , Kirchen- und Schulsprache. Den ersten geschriebenen vollständigen Satz fand man in der Chronik des Klosters Heinrichau bei Breslau.

Unter den Einträgen des Jahres findet sich eine Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. Jahrhundert und verstärkt ab dem Jahrhundert entwickelte sich auch ein Standardpolnisch. Jahrhunderts wurde das Polnische durch Russisch bzw. Mit dem wiederentstandenen polnischen Staat wurde die polnische Sprache zur Amtssprache. Nach der Westverschiebung der Grenzen ist Polen seit Ende der er Jahre erstmals seit dem Hochmittelalter ein ethnisch relativ homogener Staat.

Es gibt eine Reihe von Minderheitensprachen, die seit offiziell anerkannt sind [43]: Kaschubisch in der Kaschubei und als nationale Minderheitensprachen: Karaimisch , Russinisch bzw.

Lemko , Romani und Tatarisch. Diese Religion konnte sich teilweise bis ins Insbesondere im Nordosten wurde auch ein Ahnenkult gepflegt, der teilweise bis ins Jahrhundert überdauerte und in der Romantik unter anderem von Adam Mickiewicz in seinem Drama Totenfeier wieder aufgegriffen wurde. In kleinem Umfang besteht ein Bestreben, die alten Kulte wieder zu belegen.

Hierbei handelt es sich aber eher um ein kulturelles als um eine religiöses Phänomen. Das erste Bistum wurde in Posen gegründen. In der ersten Hälfte des Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation die meisten andersgläubigen Adeligen wieder zum katholischen Glauben zu bekehren. Die polnischen Stämme kamen wahrscheinlich im 9. Mährischen Chronisten zufolge soll bereits zu dieser Zeit das Christentum nach slawischem Ritus in der Region um Krakau eingeführt worden sein.

In den östlichen Woiwodschaften Polens hat ab dem Jahrhundert stets die orthodoxe Kirche dominiert. Sie hatte vor allem in dem polnischen Teil der Ukraine eine hohe Verbreitung. Nach den polnischen Teilungen wurde die Griechisch-katholische Kirche in Russland besonders hart verfolgt. Mit der Zuwanderung von Ukrainern nach Polen seit dem Ukrainekrieg in Donbas wächst die griechisch-katholische Gemeinde wieder rasant.

August , der eine gewisse Zeitlang den Bestrebungen der Mehrheit des polnischen Sejm zugeneigt war, eine Nationalkirche nach englischem Vorbild in Polen-Litauen zu etablieren, die nach der Lehre Calvins konzipiert sein sollte. Der Sejm von debattierte über die Einführung einer protestantischen Nationalkirche in Polen.

Statt eine solche zu gründen, gewährte Sigismund II. August seinen Untertanen die Glaubensfreiheit mit dem Argument, er wäre der König seiner Untertanen und nicht der König der Gewissen seiner Untertanene. Die Sicherung der individuelle Glaubensfreiheit in der polnischen Verfassung war ausschlaggebend dafür, dass es in Polen nie zu Religionskriegen kam.

Der Calvinismus war bis Mitte des Jahrhunderts beim polnischen Adel weit verbreitet. Heute spielt er aufgrund der Gegenreformation im Jahrhundert kaum eine Rolle mehr. Die Polnischen Brüder gibt es heute nicht mehr. Das Luthertum fand seit dem Jahrhundert besonders bei der deutschen Bevölkerung in den nordpolnischen Städten viele Anhänger.

Heute ist Warschau und die Region um Teschen , wo ca. Eine kleine Minderheit bilden die altkatholischen Mariaviten. Eine kleine Minderheit bilden die Polnisch-Katholischen, die entgegen ihrem Namen eine protestantische Glaubensrichtung sind, die im Jahrhundert in den USA entstanden und im Jahrhundert durch Reemigration nach Polen gekommen ist. In Polen gibt es zwei muslimische Gemeinden. Gegen Ende des Die zweite muslimische Gemeinde bilden eingewanderte Muslime, die meist aus arabischen Ländern und der Türkei stammen.

Deren regligiöses Zentrum bildet vor allem Warschau und Danzig. Polen war im Mittelalter nie religiös homogen. Noch bevor sich der christliche Glaube endgültig durchsetzen konnte, wanderten in den nächsten Jahrhunderten, begünstigt durch das Toleranzedikt von Kalisz von Juden aus Westeuropa und Hussiten aus Böhmen nach Polen ein. Die polnischen Juden sind seit dem Jahrhundert in zwei dominierende Glaubensrichtungen getrennt, die aufgeklärten Haskalen und die orthodoxen Chassiden.

Zeitweise lebten mehr als die Hälfte aller Juden weltweit in Polen. Die jüdische Gemeinde wurde nach der Wende wiederbelebt. Die Urgeschichte des heutigen Polens reicht bis in das Paläolithikum zurück. Im Neolithikums befand es sich nacheinander im Einflussbereich der Linearbandkeramischen Kultur , Trichterbecherkultur , Kugelamphoren-Kultur und der Schnurkeramische Kultur. Während der Bronzezeit war es Teil der Lausitzer Kultur beziehungsweise der Hallstattkultur , aus der die Pfahlbausiedlung Biskupin stammt.

Sie wird auch mit der Hallstattkultur in Verbindung gebracht. In der Antike geriet das Gebiet des heutigen Polens unter keltischen und thrakischen Einfluss.

Später dominierte die Przeworsk-Kultur. Während der Völkerwanderung zogen Westslawen und Balten durch das heutige Polen. Südpolen geriet in der zweiten Hölfte des 9. Jahrhunderts unter mährischen Einfluss. Das Herzogtum Polen, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist im frühen Es wurde von ca.

Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Sein Sohn Boleslaus I. Lambert kam es in den späten er Jahren zu einem heidnischen Aufstand der Polen gegen die katholische Kirche.

Erst dessen Nachfolger Kasimir I. Er verlegte die Hauptstadt von Gnesen auf den Krakauer Wawel. Bis dauerte diese feudale Zersplitterung in Polen an. Dieser sogenannte Partikularismus führte zu einer starken politischen Schwächung Polens im Polen zerfiel in sechs Herzogtümer: Die Jahre bis zur Wiedervereinigung waren durch feudalistische Territorialzersplitterung geprägt.

Ellenlang aus der kujawischen Linie der Piasten die polnische Königskrone zu erlangen. Jahrhunderts, von der Polen verschont blieb. Gleichzeitig schloss Kasimir III. Tod in der Schlacht bei Warna endete. Sein Bruder Kasimir IV. Durch eine geschickte Dynastie und Heiratspolitik machte er die Jagiellonen zu einer der führenden Königsfamilien in Europa.

Albert , Alexander I. Als also Sigismund I. Mit dem Tod Ludwig II. August starben auch die Jagiellonen im Mannesstamm und mit seiner Tochter Anna Jagiellonica vollständig in Polen-Litauen aus. Polen wurde als Republik bezeichnet. Die republikanische Staatsform setzte sich aber wohl erst um die Mitte des Jahrhunderts durch und war mit einem stetigen Dreikammerparlament erst Ende des Polen und Litauen bildeten seit die gemeinsam eine Adelsrepublik und damit den ersten modernen Staat Europas mit einem adelsrepublikanischen System und einer Gewaltenteilung.

Der polnische Adel wählte zunächst den Franzosen Heinrich I. Valois , dem er die Religionsfreiheit abverlangte, und später den Siebenbürger Stephan I. Sobieski und Stanislaus I. Der letzte gewählte polnische König war Stanislaus II. Die Adelsrepublik stürzte im Es kam zur Bildung von Magnaten sogenannten Konföderationen gegen die Interessen des Staates und des Königs , Kosakenaufständen und dauerhaften Konfrontationen mit den Krimtataren in den südöstlichen Woiwodschaften.

Besonders die Wahl ausländischer Dynasten zu polnischen Königen sie verfügten über keine Hausmacht in Polen und waren vom Wohlwollen des Hochadels abhängig und die Uneinigkeit innerhalb des polnischen Adels, der Szlachta und Magnaten, schwächten den Staat beträchtlich.

Insbesondere die so genannte Sachsenzeit wird dabei aus polnischer Sicht als negativ für den weiteren Bestand des polnischen Staates eingestuft. Auch die Ratifizierung einer Verfassung , der ersten modernen Verfassung Europas überhaupt, konnte den Niedergang der polnisch-litauischen Adelsrepublik nicht stoppen. Polen wurde damit seiner Souveränität beraubt und sein ursprüngliches Landesgebiet in drei unterschiedliche Staaten eingegliedert. Der letzte polnische König Stanislaus II.

August Poniatowski musste abdanken und wurde nach Sankt Petersburg gebracht, wo er verstarb. Im Jahr wurden nach kurzen kriegerischen Auseinandersetzungen Teile Kleinpolens im damaligen Westgalizien von Österreich an das Herzogtum Warschau wieder abgetreten. Aufgrund der Niederlagen der polnisch-französischen Allianz im Russlandfeldzug und in der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr kam es zu keiner Wiederherstellung der polnisch-litauischen Republik und das Herzogtum Warschau wurde auf dem durch die Teilungsmächte dominierten Wiener Kongress aufgeteilt.

Krakau wurde zum Stadtstaat, der bis formal unabhängigen Republik Krakau. Der Rest, das nach dem Wiener Kongress benannte Kongresspolen , wurde als Königreich Polen in Personalunion mit dem Russischen Kaiserreich verbunden, war also zunächst formal bis auf den gemeinsamen Herrscher vom russischen Reich unabhängig.

Bis genoss dieses polnische Staatswesen weitgehende Autonomie. Mit dem Aufkommen des russischen Nationalismus beim Übergang von der Feudalgesellschaft zum Kapitalismus wurde durch die zaristische Verwaltung versucht, diese Autonomie Schritt für Schritt abzuschaffen. Als Folge der Rekrutierung von Polen für die russische Armee zur Bekämpfung der Belgischen Revolution brach in Warschau der Novemberaufstand von aus, in dem die Polen versuchten, die russische Fremdherrschaft und Dominanz abzuschütteln.

Der Novemberaufstand wurde von der russischen Armee niedergeschlagen. Die Bezeichnung Polen wurde verboten und das Land durch die russische Obrigkeit als Weichselland bezeichnet. Im russischen Teil hingegen bildete die Revolution von einen Wendepunkt, in dem zunächst sozialistische Forderungen dominierten, später aber die Forderung nach nationaler Unabhängigkeit an Boden gewann.

Während des Ersten Weltkrieges beschlossen die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn die Gründung eines selbstständigen polnischen Staates auf dem dem russischen Zarenreich abgenommenen Territorium Kongresspolens. Durch die Kriegsereignisse bedingt, hatte der Provisorische Staatsrat im Königreich Polen nur begrenzte praktische Auswirkungen.

November in Warschau. Nach der Niederlage der Mittelmächte erlangte Polen seine Souveränität zurück. November wurde die Zweite Polnische Republik ausgerufen.

Das allgemeine Frauenwahlrecht wurde noch im selben Monat in dem Dekret über das Wahlverfahren für den Sejm vom Artikel 1 garantierte das aktive , Artikel 7 das passive Wahlrecht.

Polen war damit Gründungsmitglied des Völkerbundes. Gleichzeitig wurde im polnischen Minderheitenvertrag vom Juni der Schutz der deutschen Minderheit in Polen vereinbart. Durch die Siegermächte wurden in Mittel- und Osteuropa Grenzen nach Bevölkerungsmehrheiten vorgesehen.

Aufgrund der unklaren politischen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der Hohenzollern- und Romanow -Monarchien kam es während der ersten Konsolidierungsphase des neuen Staates zu Konflikten mit den Nachbarstaaten, zum Beispiel mit Deutschland um Oberschlesien in der Schlacht um St. Annaberg oder um die Stadt Wilna im heutigen Litauen.

Es folgte eine sowjetische Gegenoffensive, die anfangs erfolgreich war. In der Schlacht bei Warschau im Jahre wurde die Rote Armee jedoch unter hohen Verlusten zurückgeworfen, worauf sie sich bis in die Ukraine zurückzog.

Während die Bevölkerungsmehrheit der Städte meist römisch-katholisch oder jüdisch war, war die Landbevölkerung überwiegend orthodox. Die Rajongemeinde Vilnius ist bis heute mehrheitlich polnischsprachig geblieben und die Stadt Vilnius bildet nach der Zwangsumsiedlung ihrer polnischen Stadtbewohner nach dem Krieg eine litauische Sprachinsel.

Trotz der Weltwirtschaftskrise konkte sich die Wirtschaft in der Zweiten Polnischen Republik entwickeln. Ein Zeichen des Luxuses der Zwischenkriegszeit waren die Schnellzüge Luxtorpeda , die unter anderem zwischen Krakau und dem immer beliebter werdenden Bergkurort Zakopane verkehrten.

Kurz bevor Polen selbst vom nationalsozialistischen Deutschland angegriffen wurde, stellte es im Zuge des Münchener Abkommens territoriale Forderungen an die Tschechoslowakei. Im Oktober annektierte Polen gegen den Willen der tschechischen Regierung das mehrheitlich von Polen bewohnte Olsagebiet , das von der Tschechoslowakei besetzt worden war.

Im August schlossen das Deutsche Reich und die Sowjetunion den Hitler-Stalin-Pakt , in dessen geheimen Zusatzprotokoll der gemeinsame Überfall auf Polen, sowie die Annektierung der baltischen Staaten durch die Sowjetunion beschlossen wurden. September wurde Polen vom Deutschen Reich angegriffen. Nachdem die westlichen Teile des Landes an die deutschen Invasoren verlorengegangen waren, begann ab Die Annexion und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war zuvor in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden.

Damit nahm der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem 5,62 bis 5,82 Millionen polnische Staatsbürger, darunter fast die Hälfte jüdischer Abstammung, ihr Leben verlieren sollten. Mit dem Angriff Deutschlands auf Polen begann am 1. September der Zweite Weltkrieg. September marschierte die Rote Armee in Ostpolen ein. September über einen noch freien Grenzübergang Polen und begab sich ins neutrale Rumänien , später nach Paris und von dort aus nach London und organisierte von dort aus den Widerstand gegen die deutsche und sowjetische Besatzung.

Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere Anfang der er Jahre errichteten die Nationalsozialisten mehrere Konzentrationslager auf dem Gebiet Polens, unter anderen die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz , Majdanek und Treblinka.

Kleinpolen , Masowien und Galizien mit etwa zehn Millionen Menschen wurden als sogenanntes Generalgouvernement dem Reichsminister Hans Frank unterstellt. Er leitete die Vernichtungspolitik vom Wawel aus, dem Krakauer Königssitz der frühen polnischen Könige.

Das Morden der sowjetischen Kommunisten ging auch nach dem Zweiten Weltkrieg in dem erneut von der Sowjetunion besetzten Polen weiter. Mangels Ausrüstung und Verpflegung wurden diese Einheiten jedoch bereits über Persien in den Nahen Osten verlegt, wo sie dem britischen Nahostkommando unterstellt wurden. Später kämpften sie als 2. Der Kampf einzelner Untergrundeinheiten gegen das von der Sowjetunion abhängige kommunistische Regime wurde bis Ende der er Jahre fortgeführt.

Die Sowjetunion, deren Truppen bereits am Ostufer der Weichsel standen, unterstützen die Einheiten der Heimatarmee fast gar nicht. Die Zahl der Toten wird auf Bereits in den Jahren — waren zehntausende Polen in den Massakern in Wolhynien ermordet worden, hunderttausende hatten flüchten müssen. Etwa fünf Millionen Deutsche waren gegen Kriegsende von dort geflohen und wurden durch Einreiseverbot an einer Rückkehr gehindert; nach dem Krieg wurden weitere 3,5 Millionen Menschen vertrieben.

Die wiedergewonnenen Gebiete besiedelten drei Millionen Bürger aus Zentralpolen, etwa ein bis zwei Millionen Geflohene und Vertriebene aus Ostpolen und im Jahr etwa Dezember von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt. Auf die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkrieges folgte die von der sowjetischen Besatzung aufoktroyierte kommunistische Diktatur. Polen wurde bis in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe und den Warschauer Pakt eingebunden.

Bei den teilweise freien Parlamentswahlen vom 4. Dezember wurde die Verfassung geändert. Die Planwirtschaft wurde in eine Marktwirtschaft umgewandelt. April wurde von Sejm und Senat eine neue Verfassung verabschiedet und am Sie trat am Oktober in Kraft. Die Parlamentswahlen des Jahres führten zu einem Politikwechsel in Polen. Der bis dahin regierende SLD wurde durch ein konservatives Bündnis abgewählt. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am Oktober verlor die PiS ihre Position als stärkste Partei.

April stürzte eine polnische Regierungsmaschine mit 96 Insassen bei Smolensk ab. Der Grund für den Absturz ist bis heute unklar und wird weiterhin untersucht.

Die Republik Polen ist eine parlamentarische Demokratie. Das derzeit gültige Staatsorganisationsrecht wird vor allem in der Verfassung von kodifiziert. Im europäischen Vergleich enthält das polnische Regierungssystem zahlreiche Elemente der direkten Demokratie.

Die derzeit gültige Verfassung wurde am 2. April von der Nationalversammlung angenommen und in einem Referendum am Mai von den wahlberechtigten Polen beschlossen. Damit stimmte nur ca. Die Verfassung trat am Das polnische Parlament gehört zu den ältesten Parlamenten der Welt, das — in verschiedenen Formen als Dreikammerparlament und mit Unterbrechungen — seit existiert. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, Sejm und Senat. Der Sejm hat, zusammen mit dem Senat, die Legislative inne.

Die im Parlament vertretenen politischen Parteien gruppieren sich als Fraktionen in eine Regierung und die Opposition. Der Sejm setzt sich aus Abgeordneten zusammen. Der Sejm wird von dem Sejm-Marschall geleitet. Der Sejm hat seinen Sitz im Warschauer Regierungsviertel.

Die Abgeordneten werden für eine vierjährige Legislaturperiode nach dem Verhältniswahlrecht in allgemeiner und geheimer Wahl gewählt. Überhangmandate gibt es nach dem polnischen Wahlrecht nicht. Zur Gründung einer Fraktion im Sejm sind fünfzehn Abgeordnete notwendig. Der Sejm beruft Untersuchungs Ausschüsse ein.

Der Senat setzt sich aus Abgeordneten zusammen. Der Senat wird von dem Senat-Marschall geleitet. Der Senat hat seinen Sitz im Warschauer Regierungsviertel. Die Senatoren werden für eine vierjährige Legislaturperiode nach dem Mehrwahlrecht in allgemeiner und geheimer Wahl in hundert Wahlkreisen gewählt. Der Sejm beruft Untersuchungs -Ausschüsse ein. Derzeit gibt es im Sejm 14 Ausschüsse. Das Gesetzesinitiativrecht steht dem Präsidenten, der Regierung, dem Senat, einer Gruppe von mindestens 15 Abgeordneten oder den Bürgern Gesetzesinitiative muss von Der Gesetzesentwurf ist an den Sejm-Marschall zu leiten.

Ein vom Sejm angenommenes Gesetz wird an den Senat weitergeleitet. Ein Senat-Veto kann von dem Sejm überstimmt werden, wenn mindestens die Hälfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl an der Abstimmung teilnimmt.

Ein Veto des Präsidenten kann vom Sejm mit einer Dreifünftel der abgegebenen Stimmen im Sejm zurückgewiesen werden, wenn mindestens die Hälfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl an der Abstimmung teilnimmt.

Angenommene Gesetze sind im Gesetzesblatt der Republik Polen zu veröffentlichen. Die polnische Verfassung sieht Referenden auf nationaler und lokaler Ebene vor. Referenden auf nationaler Ebene können initiieren:. Referenden auf nationaler Ebene können in allen Angelegenheiten, die nationale Belange betreffen, abgehalten werden mit Ausnahme von Regelungen in Steuersachen, Verteidigungssachen und Amnestiefragen.

Referendumsergebnisse sind bindend, wenn mindestens die Hälfte der Referendumsberechtigten an der Abstimmung teilnimmt. Das Referendum zur Annahme der derzeit gültigen Verfassung hat dieses Kriterium nicht erfüllt, da nur ca. Organe der Exekutive sind der Staatspräsident , der zugleich Staatsoberhaupt ist, und der Ministerrat , der vom Premierminister angeführt wird.

Die Verfassung vom Juli grenzt die Kompetenzen zwischen Präsident und Ministerrat nicht hinreichend scharf ab. Der Präsident wird alle fünf Jahre vom Volk direkt gewählt. Erhält im ersten Wahlgang kein Kandidat mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Präsidentschaftswahl am Mai konnte Andrzej Duda für sich entscheiden, welcher von der Partei Recht und Gerechtigkeit , als Kandidat aufgestellt wurde.

Er wurde am 6. Der Premierminister sowie alle anderen Mitglieder des Ministerrats werden vom Präsidenten ernannt. Die vom Sejm bestätigte Ministerratsmitglieder werden vom Präsidenten vereidigt. Der Ministerrat setzt sich aus dem Premierminister, den Vize-Premierministern, den Ministern und den Komiteevorsitzenden zusammen.

Die Gerichtsbarkeit in Polen teilt sich in eine ordentliche und eine Verwaltungsgerichtsbarkeit. Die Gerichtsbarkeiten verfügen über jeweils vier bzw. Das oberste Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit ist das Oberste Gericht und in der Verwaltungsgerichtsbarkeit das Oberste Verwaltungsgericht , beide mit Sitz in Warschau.

Ebenfalls in Warschau befinden sich der Verfassungsgerichtshof , der in verfassungsrechtlichen Fragen Recht spricht, und der Staatsgerichtshof. Eine separate Arbeits-, Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit gibt es in Polen nicht. Rechtsstreitigkeiten im Arbeitsrecht werden vor den ordentlichen Gerichten, Rechtstreitigkeiten im Sozial- und Finanzrecht vor den Verwaltungsgerichten ausgetragen. Es besteht zudem eine separate Militärgerichtsbarkeit. Private Schiedsgerichte sind zulässig.

So hat zum Beispiel die deutsch-polnische Industrie- und Handelskammer ein Schiedsgericht in Warschau. Jahrhundert Zusammenschlüsse von Abgeordneten im polnischen Sejm spontan waren und meist nur die Wahl eines Königs oder die Durchsetzung von kurzfristigen Interessen im Rahmen einer Konföderation dienten, etablierten sich die ersten dauerhaften Parteien am Anfang des Moderne Parteien entstanden während der Teilungszeit im Nach der Jahrtausendwende vereinigten sich einige dieser Kleinstparteien zu den derzeit führenden Parteien im polnischen Sejm.

Einer der Kritikpunkte an der Verfassung von ist, dass die von ihr vorgegebene Rangordnung der Politiker nicht den tatsächlichen politischen Machtverhältnissen entspricht. De facto bestimmt jedoch der Premierminister die laufende Politik, der in der formellen Rangordnung erst an vierter Stelle steht. Nicht ohne politischen Einfluss ist zudem der Vorsitzende der Regierungspartei bzw.

Polen ist Gründungsmitglied zahlreicher internationaler Organisationen, unter anderem: Polen ist weiterhin Mitglied von: Polen hat Beobachterstatus bei folgenden Organisationen: Arktischer Rat und Internationale Organisation der französischsprachigen Länder. Als wichtigsten Verbündeten sehen die Polen die Vereinigten Staaten. Auf polnischem Staatsgebiet sind seit US-Truppen stationiert. Bereits die Adelsrepublik pflegte Polen diplomatische Beziehungen zu Persien und dem Osmanischen Reich, das im Gegenzug nie die Teilungen Polens anerkannt hat und bei jeder internationalen Konferenz nach dem polnischen Gesandten fragte.

Hambacher Fest des Vormärzes — und insbesondere aufgrund des Zweiten Weltkriegs sowie der folgenden Abhängigkeit von der Sowjetunion belastet. Interessanterweise sind dabei die Beziehungen zu Österreich, das ebenfalls an den Teilungen Polens und dem Überfall auf Polen teilnahm, weitaus entspannter.

Die Beziehungen zu der Schweiz, die Auslandspolen während der Teilungszeit unterstützte, sind dagegen freundschaftlich. Polen verbindet mit Ungarn ein besonders freundschaftliches Verhältnis , das bis ins Hochmittelalter zurückreicht, als die beiden Königreiche dreimal in Personalunion regiert wurden. Der Wehretat betrug 9,7 Mrd. Derzeit modernisiert Polen seine Streitkräfte.

Im Zuge der Ukrainekrise hat Polen diesen Prozess intensiviert. Polen hat angekündigt, bis mehr als 30 Milliarden Euro für die Beschaffung neuer Waffensysteme auszugeben. Der Präsident ist oberster Befehlshaber über die polnischen Streitkräfte.

Unmittelbar untersteht das Militär jedoch dem Verteidigungsminister und besteht aus den Luftstreitkräften , der Marine , den Landstreitkräften , den Spezialeinheiten und der Territorialverteidigung.

Bekannt sind in der Geschichte besonders die polnische Hussaria und die Ulanen , die sich in den Schweden- und Türkenkriegen auszeichneten. Jahrhunderts war die Einführung eines stehenden Heers von Während der napoleonischen Kriege entstanden polnische Legionen in Italien und Frankreich. In der Volksrepublik unterstanden die polnischen Streitkräfte im Rahmen des Warschauer Paktes der sowjetischen Führung. Während Süleymans Herrschaft bildete sich mit dem Osmanischen Islam ein spezieller Zweig dieser Rechtsschule, die den Herrschaftsanspruch der osmanischen Dynastie nun auch religiös legitimierte.

Unter seine Regentschaft fallen etwa die architektonischen Meisterleistungen von Sinan. Die Festung galt damals als die stärkste auf dem Balkan. Zwar zog das osmanische Heer noch vor Jahresende vorläufig ab. Im Thronfolgestreit zwischen dem Habsburger Ferdinand I. Nach nur 19 Tagen musste die Belagerung wegen des frühen Wintereinbruchs aufgegeben werden.

Gegen die Angriffe Ferdinands rief sie Süleyman zu Hilfe. Dieser besetzte Ofen und stellte das mittlere Drittel des Königreichs Ungarn als Provinz unter direkte osmanische Herrschaft. Der Krieg flammte mit einer habsburgischen Intervention in Siebenbürgen wieder auf, die Süleyman nicht hinnehmen wollte.

Diese Entwicklung führte in der Folge zur Entstehung eines von Ungarn losgelösten Fürstentums Siebenbürgen als osmanischem Vasallenstaat. Mesopotamien mit Bagdad, Basra und der zugehörigen Küste des Persischen Golfes , Ostanatolien und Schahrazor blieben osmanisch, Aserbaidschan und die östlichen Teile Kaukasiens verblieben den Safawiden. Auch im Mittelmeer kam es zu Auseinandersetzungen mit wechselnden Erfolgen: Auch die vereinigten Seestreitkräfte der zur Verteidigung gebildeten Heiligen Liga konnten keinen effektiven Widerstand leisten.

Damit begann bis zur Seeschlacht von Lepanto eine über jährige militärische Vormachtstellung der osmanischen Flotte im Mittelmeer. Die Ritter des Malteserordens konnten den Invasoren so lange standhalten, bis die durch Verluste und Krankheiten geschwächten osmanischen Streitkräfte sich angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit und der aus dem spanischen Sizilien eintreffenden Entsatztruppen zurückzogen.

Sein Tod, die hohen Verluste der Belagerung von etwa Um diesen Anspruch wahr werden zu lassen, musste sich Süleyman gegenüber dem Heiligen Römischen Reich behaupten. Nur durch die Eroberung der Kaiserkrone konnte er auch die Herrschaft des Westens beanspruchen. Unter seiner Regierung vertieften sich daher die diplomatischen Beziehungen mit Europa: Er suchte die Unterstützung der deutschen protestantischen Fürsten zu gewinnen, die sich im Schmalkaldischen Bund gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V.

Auch auf wirtschaftlichem Gebiet wurden die Beziehungen enger. Die erste so genannte Kapitulation , die freien Handel vereinbarte und den Handelspartnern die Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen auf dem Boden des Osmanischen Reichs übertrug, war schon der Republik Genua gewährt worden, in den er Jahren folgte die Republik Venedig , unter Mehmed II.

Frankreich hatte schon von der Pforte die Bestätigung der mit der ägyptischen Mamlukendynastie geschlossenen Kapitulation erlangt.

Die im Rahmen des französisch-osmanischen Bündnisses vereinbarte Kapitulation galt lange Zeit als die erste, wurde aber nie ratifiziert. Um datiert die erste Kapitulation mit England, das bis dahin Waren über Venedig importiert hatte. Jahrhundert sämtliche Macht in der Person des Sultans vereint war, prägte in der zweiten Jahrhunderthälfte ein Netzwerk aus Beziehungen zwischen einflussreichen Haushalten das politische Leben.

Auch europäische Länder wie England waren an guten Beziehungen zum osmanischen Sultanshof interessiert: In erster Linie bemühte sich das elisabethanische England um die Unterstützung der Sultane in seinem Bemühen, die portugiesischen und spanischen Silberflotten zu stören. Besonders deutlich wurde dies in der Politik Englands gegenüber der Heiligen Liga, und im auffälligen Schweigen der englischen Öffentlichkeit im Gegensatz zum übrigen Westeuropa nach der Seeschlacht von Lepanto.

Bis zur Mitte des Schon im Lauf des Durch das Aufkommen neuer Technologien wie der Feuerwaffen und die Einführung stehender, bar besoldeter Heere wurde die Kriegführung im Trotz aller Anstrengungen blieben Landgewinne, die in den Anfängen der osmanischen Expansion neue Einkommensquellen für die Staatskasse erschlossen hatten, nun aus.

Die technische Revolution der Kriegführung führte ab dem Jahrhundert zum Niedergang der Reiterei, während die militärische Bedeutung direkt besoldeter, auf Kosten des Staates mit modernen Waffen ausgerüsteter Truppen zunahm. Darüber hinaus pressten auch die Steuerpächter im Bestreben, ihre Investitionen zu amortisieren, die Bevölkerung zum Teil hemmungslos aus.

Die seit dem Auf der anderen Seite brachte sie inkompetente und für die jeweilige Aufgabe nicht ausgebildete Beamte in Amt und Würden, die in möglichst kurzer Zeit versuchten, den für den Ämterkauf investierten Betrag zu amortisieren. Die Notwendigkeit, ständig wachsende Mengen an Bargeld zu erwirtschaften, verschärfte die Lebensbedingungen der Landbevölkerung zusätzlich. Loyale Unterstützung fand sie am ehesten bei Familienangehörigen, die mit Hilfe der Sultansmutter in hohe Ämter aufsteigen konnten.

Die Sultansmütter garantierten und legitimierten den Fortbestand der Dynastie in politisch instabiler Zeit. Zeitweise konnten sie die immer wieder ausbrechenden Revolten der Janitscharen und politischer Fraktionen beruhigen. Das Militär blieb ein politischer Unruhefaktor: In der Seeschlacht von Lepanto am 7. Die politischen Auswirkungen waren jedoch gering, da die christliche Allianz kurz darauf auseinanderbrach und die Osmanen ein Jahr später ihre Flotte vollständig wieder aufbauen konnten.

Venedig musste sogar Zypern abtreten. Die Auseinandersetzung vor Lepanto führte aber zu einer Bereinigung der Einflusssphären im Mittelmeer.

Die Osmanen beschränkten sich jetzt auf ihre Vormachtstellung im östlichen Teil, zum Beispiel mit der Eroberung der venezianischen Inseln Zypern und Kreta , während spanische, maltesische und italienische Flotten das westliche Mittelmeer unter sich aufteilten. Dennoch richtete Selim II. Zudem unterstützte Selim die muslimischen Herrschaften in Südostasien.

Als neuer Gegner an der Nordgrenze kam Russland ins Spiel. Ein wichtiges Ziel Zar Peters I. Jahrhunderts mit Phanarioten , Griechen aus dem Phanar-Viertel in Konstantinopel, die schon lange Zeit als Übersetzer in der Politik eine wichtige Rolle gespielt hatten.

In den Donaufürstentümern wird diese Epoche als Phanarioten-Herrschaft bezeichnet. Auch gegen die Republik Venedig war man erfolgreich und erlangte die Peloponnes zurück. Die Russen marschierten auf der Krim ein und schwächten den osmanischen Vasallen erheblich. Die Österreicher erlitten gegen die Türken eine Niederlage. Im Frieden von Belgrad mussten sie den Osmanen Nordserbien mit Belgrad und die Kleine Walachei zurückgeben, die die Habsburger zuvor im Frieden von Passarowitz von den Osmanen gewonnen hatten.

Russland bekam erneut und dauerhaft Asow zugesprochen. Im Ganzen war in den teuren und verlustreichen Kriegen der vergangenen drei Jahrzehnte keine wesentliche Änderung des Territoriums zu verzeichnen.

Danach folgte eine vergleichsweise lange Friedensperiode. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts waren die Kriegskosten so hoch geworden, dass das Steuereinkommen sie nicht mehr decken konnte. Das komplizierte Versorgungssystem des osmanischen Militärs brach zusammen. Genau zu dieser Zeit brach der fünfte Russisch-Türkische Krieg — aus. Das finanziell erschöpfte Reich hatte den russischen Ressourcen nichts mehr entgegen zu setzen.

Im Russisch-Türkischen Krieg — musste das Osmanische Reich endgültig erkennen, dass es seine imperiale Macht verloren hatte. Keine der beiden Seiten hatte die Absicht, es lange dabei zu belassen.

Die Osmanen, die ohnehin darauf aus waren, ihre Verluste aus dem vorigen Krieg rückgängig zu machen, erklärten im selben Jahr nach verschiedenen Streitigkeiten Russland den Krieg.

Nach Anfangserfolgen der Schwarzmeerflotte mussten sie jedoch im Frieden von Jassy abermals Gebietsverluste hinnehmen, darunter Gebiete zwischen Dnepr und Bug. Mit den Niederlagen gegen Ende des Jahrhundert wurde sich die osmanische Gesellschaft der eigenen politischen Schwäche deutlicher bewusst. Zu diesem Zweck wurden europäische Militärberater engagiert. Seine geplante allmähliche Überführung der Janitscharen in das neue Korps führte jedoch zu Aufständen.

Er kam jedoch zu spät, da Selim bereits erdrosselt worden war. Es blieb ihm also nur, den von den Janitscharen eingesetzten Mustafa IV. Die Unterstützung einflussreicher Provinzherrscher versuchte Mustafa Pascha zu sichern, indem er mit ihnen einen Bündnisvertrag Sened-i ittifak abschloss.

Der Sened-i ittifak , der heute an den Beginn der türkischen Verfassungsgeschichte gestellt wird, wurde nie ratifiziert. Die Geschichte der rumelischen Kernlande im Westen des Reiches im Jahrhundert ist geprägt von der Balkankrise und dem zunehmenden, von eigenen politischen und strategischen Interessen geleiteten Eingreifen westeuropäischer Mächte:.

Mit dem Berliner Kongress von erlangte das Fürstentum seine volle Unabhängigkeit und internationale Anerkennung.

März wurde es in das Königreich Serbien umgewandelt. Der griechische Aufstand stellte die osmanische Regierung vor besondere Probleme: Vor allem die griechischen Einwohner Istanbuls, die Phanarioten , dienten traditionell als Dolmetscher für die sprachunkundigen osmanischen Beamten. Für ihre diplomatische Kommunikation mit europäischen Mächten war die Hohe Pforte noch zu Beginn des Jahrhunderts auf diese Personen angewiesen, die teilweise mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierten.

Trotzdem musste er Griechenland in die Unabhängigkeit entlassen. Zugleich wurde die territoriale Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit des Osmanischen Reichs garantiert. Bukarest wurde zur Hauptstadt des neuen Fürstentums. Rumänien erhielt die Dobrudscha und Russland Süd bessarabien.

März wurde das Königreich Rumänien gegründet. Da sich Russland aufgrund seiner politischen Doktrin des Panslawismus als Schutzmacht der Bulgaren verstand, drohte ein russisch-türkischer Krieg. Im Londoner Protokoll von behielten sich die westeuropäischen Mächte vor, die Durchführung der Beschlüsse zu überwachen. Nachdem Sultan Abdülhamid II. Um eine Besetzung seiner Hauptstadt zu verhindern, war der Sultan im März gezwungen, nach dem Waffenstillstand von Edirne den Frieden von San Stefano zu unterzeichnen.

Dieser Frieden hätte für das Osmanische Reich den Verlust fast sämtlicher europäischen Besitzungen bedeutet. Russland hätte die Vorherrschaft auf der Balkanhalbinsel , und mit der Kontrolle über die strategisch wichtigen Meerengen des Bosporus und der Dardanellen einen Zugang vom Schwarzen zum Mittelmeer gewonnen.

Ein weiterer Krieg zwischen den europäischen Mächten drohte, für den sich Staaten wie Österreich-Ungarn nicht gerüstet sahen. Vorab waren mehrere, teils geheime Abkommen zwischen einzelnen Staaten geschlossen worden. Geleitet von Bismarcks Ideen zur Bündnispolitik erhielten die europäischen Vertragspartner gleiche Möglichkeiten, zu ihren Gunsten Einfluss auf das Reich zu nehmen.

Infolge des Berliner Vertrags unterstanden seit Bosnien und die Herzegowina der Verwaltung und militärischen Besetzung Österreich-Ungarns , während die Gebiete nominell weiter zum Osmanischen Reich gehörten.

Das Fürstentum Bulgarien bildete einen eigenen Staat, der aber dem Osmanischen Reich tributpflichtig blieb. Seit war mit dem Fürstentum die autonome osmanische Provinz Ostrumelien gewaltsam vereinigt. Zur beiderseitigen Gesichtswahrung wurde die Vereinigung formell so geregelt, dass gegen eine Tributerhöhung der Fürst von Bulgarien auch zum Generalgouverneur der Provinz Ostrumelien ernannt wurde.

Österreich-Ungarn annektierte einseitig daher Bosnien und die Herzegowina auch formell Bosnische Annexionskrise. Im Schatten der daraus entstehenden internationalen Spannungen erklärte sich Bulgarien unter Einschluss Ostrumeliens zum unabhängigen Staat. Im letzten Drittel des In der Debatte um die so genannte Orientalische Frage standen die westeuropäischen Mächte gegen die russischen Interessen auf der Seite des Osmanischen Reiches. Der Zusammenbruch des immer noch ausgedehnten Reiches hätte einerseits ein politisches Vakuum verursacht.

Mit dem politischen und wirtschaftlichen Aufstieg des deutschen Kaiserreichs veränderte sich erneut das Gleichgewicht der europäischen Mächte.

Mittels des Baus von Eisenbahnen wie der Bagdad- und Hedschasbahn sowie des Sueskanals teilten die westeuropäischen Staaten das Reich in eigene Einflusssphären auf. Direkte Investitionen aus dem Ausland führten somit eher zur engeren Anbindung des Reiches an den Welthandel, als dass sie dem Ausbau und der Modernisierung der osmanischen Wirtschaft genutzt hätten. Anstelle dessen wurde ein unabhängiges Kaschgar-Emirate unter der Führung des Uiguren -Fürsten Jakub Bek gegründet, der von bis die Region regierte.

Während der Herrschaft von Jakub Bek war die pan-türkische Stimmung stark. Die osmanische Flagge wurde von bis über Kaschgar errichtet, und es wurden Münzen geprägt, die die osmanischen Sultane darstellen Forbes Die osmanische Oberhoheit kam u. Jahrhundert entstanden in verschiedenen Teilen der islamischen Welt lokale, reformorientierte Gruppierungen, die eher aus regionalen religiösen und gesellschaftlichen Herausforderungen heraus verstanden werden können.

Eine direkte Auseinandersetzung mit europäischem Gedankengut fand zu dieser Zeit noch nicht statt. Der strengeren hanbalitischen Rechtsschule folgend, forderte er die Rückkehr zur verloren gegangenen Glaubensreinheit der Frühzeit des Islam. Damit hatte er erstmals in der Geschichte des Reiches die religiöse Legitimität der osmanischen Herrschaft in der islamischen Welt in Frage gestellt.

Die osmanische Regierung reagierte auf diese Herausforderung mit einer bewusst deutlichen Herausstellung der Rolle des Sultans als Schutzherr der heiligen Stätten und der Pilger auf dem Haddsch. Die Ägyptische Expedition Napoleon Bonapartes wird an den Beginn einer direkten und aktiven Auseinandersetzung der islamischen Welt mit Europa und europäischem Gedankengut gestellt. Napoleons Invasion brachte die Modernisierung der ägyptischen Provinzverwaltung mit sich; technische Neuerungen aus Europa wurden eingeführt, darunter nicht zuletzt Druckerpressen, die ursprünglich die Proklamationen des Kaisers der Franzosen verbreiten sollten.

Schon um war eine Druckerei in Kairo aktiv. Nach kurzem Widerstand nutzte auch die al-Azhar-Universität die neue Technik, was Kairo zu einem der Zentren des islamischen Buchdrucks machte.

Mekka erhielt eine Druckerpresse. Der neu eingeführte Buchdruck revolutionierte die Kommunikation und den Austausch von Reformideen innerhalb der intellektuellen Eliten. Vor allem die immer zahlreicher gedruckten Zeitungen brachten neue Ideen in die gesamte islamische Welt: Die führende Rolle im Islam sollten wieder die Araber übernehmen. Seine Idee, dass der arabische Islam die reinere Ausprägung der Lehre darstelle, bereitete den Boden für die arabische Opposition gegenüber dem osmanischen Reich ebenso wie für die islamische Erneuerungsbewegung der Nahda.

Muhammad Ali Pascha , ursprünglich nur Anführer eines Truppenkontingents aus seiner süd makedonischen Heimat, gewann nach der Kapitulation der französischen Expeditionsarmee schnell an Einfluss.

Ein Sieg über die nach dem französischen Rückzug im Land verbliebene britische Armee bei Rosetta im Verlauf des Britisch-türkischen Kriegs von festigte seine politische Stellung.

Die Mamlukenfürsten stellten aufgrund der weitreichenden patrimonialen Beziehungen ihrer Haushalte die einzigen Machtfaktoren im Land dar, die erfolgreich einen landesweiten Widerstand hätten organisieren können. Regionale Aufstände wurden schnell niedergeschlagen. Muhammad Ali festigte seinen Einfluss, indem er die wichtigsten Ämter mit Familienmitgliedern besetzte. Muhammad Ali führte eine Reihe von Reformen durch: Eine Landreform begünstigte die Entstehung ausgedehnter Güter.

Im Gegensatz zur traditionellen osmanischen Praxis der Landvergabe war ab auch Privatbesitz möglich. Zahlreiche junge Männer wurden nach Europa entsandt, um dort, vor allem in England und Frankreich, zu lernen. At-Tahtawis Werk steht somit am Beginn der intellektuellen Auseinandersetzung der islamischen Öffentlichkeit mit den nun zunehmend als technisch, wirtschaftlich und intellektuell fortschrittlich und überlegen wahrgenommenen westeuropäischen Staaten.

Neue Ingenieurschulen bildeten Fachkräfte für Armee und Verwaltung aus, medizinische Einrichtungen und die Einführung von Massen impfungen verbesserten die Gesundheit. Ab verbreitete ein gedruckter Staatsanzeiger in arabischer und osmanischer Sprache offizielle Nachrichten im Land. In ihren Grundlagen blieb seine Politik jedoch osmanischen Vorstellungen verpflichtet: Nachdem sich Sultan Mahmud II. An dieser Schlacht nahm der spätere deutsche Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke als Militärberater bei der türkischen Armee teil.

Formal bestand das Khedivat bis Der amerikanische Sezessionskrieg — erweiterte die Absatzmöglichkeiten für ägyptische Baumwolle, neue Verkehrsverbindungen wie der Bau des Sueskanals — und der in Ägypten vergleichsweise früh einsetzende Eisenbahnbau erleichterten Transport und Handel.

Der gewinnbringende Baumwollanbau machte das Land auch für europäische Investoren interessant. Zwischen und nahm Ägypten Anleihen in Höhe von 68 Millionen Pfund Sterling auf, konnte aber seinen finanziellen Verpflichtungen schon nicht mehr nachkommen und wurde unter englische und französische Schuldenverwaltung gestellt.

Nach der Niederschlagung des Mahdi-Aufstands stand auch der vorher ägyptisch beherrschte Sudan faktisch unter britischer Herrschaft. Das Land erhielt offiziell den Status eines britischen Protektorats , womit die seit bestehende Herrschaft des Osmanischen Reiches über Ägypten endete.

Er ordnete die Aufstellung eines neuen, modernen Armeekorps an. Juni das Janitscharenkorps, die einflussreichsten Reformgegner, gewaltsam abzuschaffen.

Er ordnete die Verwaltung neu, indem er Ministerien nach europäischem Vorbild schuf. In den er Jahren wurden die osmanischen Botschaften in Westeuropa wieder eröffnet. Um im diplomatischen Austausch nicht mehr von griechischen Dolmetschern abhängig zu sein, wurde ein Übersetzungsbüro eingerichtet. Erwirtschaftete Überschüsse mussten nun an den Staat abgeführt werden. Die Reformen Mahmuds II. Der Einfluss der Religionsgelehrten wurde schrittweise vermindert und umgangen.

Als der politische und wirtschaftliche Druck Europas sich im Verlauf des Jahrhunderts immer stärker auszuwirken begann, waren es diese Menschen, die Mahmuds Reformen fortsetzten und eine neue Epoche im Osmanischen Reich mit einleiteten. Sie stellten die Nichtmuslime im Reich auf die gleiche Stufe wie die Muslime und führten ein neues Justizsystem ein, organisierten das Steuersystem neu und legten eine allgemeine Dienstpflicht in der Armee fest.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden auch die Steuerpachten abgeschafft. Die zerrütteten Staatsfinanzen führten am April zur Erklärung des Staatsbankrotts. Der von türkischen Rechtsgelehrten idealisierte Rechtsstaat hukuk devleti konnte sich nicht vollständig gegenüber dem autoritären Staatsverständnis durchsetzen.

In den er Jahren hatten Kreta und der Libanon schon eigene Gesetzeswerke erhalten, auch Tunesien und Rumänien hatten sich Verfassungen gegeben. Die zunehmende Kenntnis der westeuropäischen Verfassungen legte eine eigene Verfassungsgebung nahe. Die Ideen der Rule of law , der Grundrechte und der allgemeinen Gleichheit waren auch im osmanischen politischen Denken angekommen.

Dieser hatte weiterhin das Recht, mittels Dekreten zu regieren und Entscheidungen des Parlaments durch sein Veto zu widerrufen. Artikel legte fest, dass es dem Sultan vorbehalten war, unter den Bedingungen des Kriegsrechts Personen ins Exil zu schicken. Ein prominentes Opfer dieser Regelung wurde Midhat Pascha selbst. Die Verfassung trat am Dezember durch Dekret des Sultans in Kraft. Innenpolitisch machte Abdülhamid II. Abdülhamids Regierungszeit war durch Despotie und Spitzelei geprägt.

Als letzter Sultan seiner Dynastie regierte er als Alleinherrscher. Die osmanische Verfassung blieb aber formell weiterhin in Kraft und wurde, mit Ausnahme der Bestimmungen über das osmanische Parlament, weiterhin angewendet. Auch wurden die Reformen und die kulturelle Annäherung an Europa weitergeführt. Nachdem der Staatsbankrott erklärt worden war, übernahm die Dette publique einen Gutteil der Finanzverwaltung. Die Gehälter der Beamten konnten nicht mehr ausgezahlt werden. Juli wieder in Kraft.

Ende April wurde Abdülhamid, der letzte Alleinherrscher des Reiches, nach dem sogenannten Vorfall vom März abgesetzt und durch seinen Bruder Mehmed V. Auf die Besetzung dieses Amtes hatten wiederum die Jungtürken Einfluss. Nur knapp einen Monat später griff Bulgarien seine ehemaligen Verbündeten an Zweiter Balkankrieg , die von den Osmanen unterstützt wurden. Nach der Niederlage Bulgariens wurde der Grenzverlauf in den Verträgen von Bukarest und von Konstantinopel so festgelegt, wie er noch heute zwischen Bulgarien und der Türkei verläuft.

Im Reich brachen daraufhin innenpolitische Unruhen aus. In Schnellprozessen wurden die führenden Männer der Freiheits- und Einigkeitspartei verurteilt und teils hingerichtet, der politische Einfluss der liberalen Konkurrenzpartei war damit gebrochen.

In den Jahren von bis stand das Reich vor mehreren Herausforderungen, die bis seinem Ende nur teilweise und nicht ausreichend gelöst werden konnten:. Dem Erhalt der traditionell multinationalen, multiethnischen Identität des alten Weltreichs wirkte die Tatsache des schrittweise kleiner werdenden Reichsgebiets entgegen.

Eine eigenständige nationale Kultur und Sprache als identitätsstiftende Faktoren wurde als wesentliche Bedingung für die erfolgreichen Unabhängigkeitsbewegungen in einzelnen Reichsteilen wahrgenommen, gleichzeitig wurde das Fehlen dieser Faktoren im eigenen Land deutlich. Obwohl es das erklärte Ziel der jungtürkischen Revolutionäre von war, das multinationale Reich zu bewahren, hatten türkisch-nationalistische Ideen schon kurz nach der Jahrhundertwende Eingang in deren politisches Gedankengut gefunden.

Sie bedienten sich dabei von Fall zu Fall einer radikal auf den Islam bezogenen Rhetorik, im Umgang mit den nichtislamischen Bevölkerungsteilen stellten sie gemeinosmanische Konzepte heraus, den westlichen Staaten gegenüber betonte ihr liberaler Flügel im Einklang mit Prinz Sabahaddin eher freiheitliche und fortschrittliche Ideen. Türkische und armenische Gruppen leisteten im Nordosten Anatoliens seit langem gemeinsam Widerstand gegen Russland; — regierte ein türkisch-armenisches Komitee während eines Aufstands die Stadt Erzurum.

Der albanische und arabische Nationalismus erstarkte unter der Regierung des KEF ebenso wie das Autonomiestreben unter den Kurden und Tscherkessen, die sich umso weniger kompromissbereit zeigten, wie die Zentralregierung ihrerseits darauf beharrte, dass die Suche nach Anerkennung bestehender Unterschiede Rebellion bedeutete. Die erlangte Unabhängigkeit Albaniens zeigte, dass ein muslimischer Nationalstaat auch unabhängig von der osmanischen Vorherrschaft denkbar war.

Einerseits war die jungtürkische Ideologie von säkularen Ideen geprägt. Andererseits war der muslimische Bevölkerungsanteil durch Migration nach deutlich gestiegen. Islamisch geprägte Rhetorik diente darüber hinaus als Grundlage scharf anti-christlicher Polemik. Die Wahrnehmung der militärischen Unterlegenheit des in den vorausgegangenen Kriegen erschöpften Reiches verlieh weiteren wirtschaftlichen, administrativen und gesellschaftlichen Reformen im Inneren Nachdruck.

Im Ersten Weltkrieg bestimmte dieses geostrategische Interesse den russischen Zweifrontenkrieg gegen das deutsche Reich und Österreich-Ungarn sowie gegen das Osmanische Reich im Kaukasus.

Dort hatten sich im letzten Viertel des Jahrhunderts unter dem Schutz Russlands radikale Nationalbewegungen entwickelt, die auf die Abspaltung vom osmanischen und österreichisch-ungarischen Reich zielten.

Die internationalen Bemühungen nach den russisch-osmanischen Kriegen der er Jahre, vor allem Bismarcks Handeln auf dem Pariser Kongress, zeigen das Bestreben um einen Interessenausgleich ohne militärische Konflikte. An die Stelle wechselnder politischer Allianzen, wie noch im Krimkrieg, traten langfristige, noch zu Friedenszeiten geschlossene Bündnisse. Der russisch-österreichische Interessenkonflikt in Südosteuropa zwang Berlin zum Bündnis mit Österreich im Zweibund , der durch Italien zum Dreibund erweitert wurde.

In dieser politischen Situation sah sich das Osmanische Reich in einem Dilemma: Führende osmanische Politiker begriffen den Weltkrieg zudem als Chance zur Rückeroberung verlorengegangener Gebiete auf dem Balkan und zur erneuten Expansion in Richtung Kaukasus und Zentralasien sowie dazu, eine Lösung der armenischen Reformfrage zu verhindern.

Vielleicht auch dem Käse zuliebe, vor allem aber, um wieder einmal den Sundgau mit seinen alten Bäumen zu erleben.

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Die Dinge der Ordnung: Die erlangte Unabhängigkeit Albaniens zeigte, dass ein muslimischer Nationalstaat auch unabhängig von der osmanischen Vorherrschaft denkbar war.

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